著者
高田 博行
出版者
学習院大学
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
vol.15, pp.89-159, 2011-03

Es ist in der einschlägigen Literatur unumstritten, daß die Reden von Hitler einen grundlegenden Anteil an seinem Erfolg in Partei und Politik hatten. Ausgehend von der Auffassung, daß signifikant häufiger auftretende sprachliche Muster (bestimmte Lexeme oder Lexemverbindungen) als Ausdruck der außersprachlichen gesellschaftlichen Organisation bzw. als Ausdruck rekurrenter Sprachhandlungen des Autors gedeutet werden können (vgl. Bubenhofer/Scharloth [im Druck]), untersucht die vorliegende Arbeit mit korpuslinguistischen Methoden ("semtracks semantic matrix engine") insgesamt 558 Hitlerreden mit ca. 1.500.000 Wörtern auf ihre lexikalischen Muster hin und versucht, auf diese Weise die Eigenschaften der Reden vor und nach der Machtergreifung herauszufinden. Zur präziseren Erfassung der Veränderungen wurden die beiden Zeitphasen jeweils in zwei weitere Teilphasen unterteilt: Phase 1 – aufgrund der Ernennung von Goebbels zum Reichspropagandaleiter der NSDAP im April 1930 – in die Teilphasen 1a und 1b, Phase 2 – aufgrund der Kriegseröffnung im September 1939 – in die Teilphasen 2a und 2b. Nach den Berechnungen von für die jeweiligen Zeitphasen typischen Lexemen und Lexemverbindungen mittels der Log-Likelihood-Ratio (LLR) und t-Score läßt sich Folgendes feststellen: Der größte Unterschied zwischen den Reden vor und nach der Machtergreifung, also zwischen Phase 1 und Phase 2, betrifft den Gebrauch der Pronomen man, ich und du. Statt des Pronomens man, das Hitler in Phase 1 im Vergleich mit Phase 2 sehr viel häufiger gebraucht (LLR: 1157,94), wird in Phase 2 das Personalpronomen ich signifikant häufiger benutzt (LLR: 406,89); dies ließe sich als Indikator dafür interpretieren, daß Hitler nun in Phase 2 die Indefinitheit bzw. die (scheinbare) Objektivität von man zugunsten der Definitheit bzw. der unabhängigen Subjektivität von ich weitgehend vermeidet. Den ebenso außerordentlich häufigeren Gebrauch von du in Phase 1 kann mit Parteigenossen und Nazi-Sympathisanten als überwiegender Zuhörerschaft in Zusammenhang gebracht werden. Den zweitauffälligsten Kontrast stellt die Verwendung der konditionalen Konjunktion wenn dar. In den Wahlkämpfen vor der Machtergreifung spricht Hitler in Phase 1 signifikant häufiger von wenn (LLR: 599,40), um den Zuhörern in appellativer Weise (oft fiktive) Sachinhalte vor Augen zu führen, die gewisse andere Sachverhalte voraussetzen (Wenn wir von Treue reden, die uns verlorenging, dann soll man nicht auf Treue hoffen, wenn wir selbst sie preisgeben; Rede vom 02.11.1932). Typisch für Phase 1 ist auch der Gebrauch des Modalverbs müssen (LLR: 216,77), mit dem Hitler die zwingende Notwendigkeit seiner jeweiligen Behauptungen signalisiert. Eine Reihe von Lemmata, die Hitler in seiner NS-Bewegung in Phase 1 zur Bezeichnung der zu verleumdenden Referenten braucht, wie z. B. Weimarer System (LLR: 236,27), Republik (LLR: 231,66), Volkspartei (220,05), Marxismus (LLR: 201,55), Jude (LLR: 186,63), Bürgertum (LLR: 181,60) und bürgerlich (LLR: 160,68), verlieren in Phase 2 – einschließlich der Lexeme Bewegung (LLR: 376,85), Idee (LLR: 150,48) und Begriff (LLR: 205,78) – ihre früheren Stellungen in den Hitlerreden. Nach der Machtergreifung gilt sowohl bei Triumphen als auch Niederlagen die göttliche Vorsehung (LLR: 239,88) jenseits des Menschenwerks als oberste Legitimationskategorie für Hitlers Projekte. Unter den Adjektiven in Phase 2 hat das Lemma nationalsozialistisch (LLR: 421,57) zusammen mit deutsch (LLR: 209,82), kulturell (LLR: 204,40) und geschichtlich (LLR: 168,05) eine zentrale Bedeutung. Bei staatlichen und öffentlichen Veranstaltungen einschließlich der Kunstausstellungen im Rahmen der Friedenspropaganda in Phase 2a (Ausstellung und Frieden gehören auch zu den typischen Lexemen in diesem Zeitabschnitt), also in der Zeit zwischen der Machtergreifung und der Kriegseröffnung, mußte Hitler in seinen Reden als "Führer" mehr oder weniger mit Wendungen offiziellen Charakters sprechen. Die Substantive Ausdruck (LLR: 57,54), Bekenntnis (LLR: 53,76), Verständnis (LLR: 36,60) und Aufgabe (LLR: 39,87) als signifikant häufigere Lemmata in Phase 2a im Vergleich mit Phase 2b stehen – nach der Berechnung der t-Score – dementsprechend mit bestimmten Verben in festen Verbindungen, die als Funktionsverbgefüge bezeichnet werden und auf konzeptionelle Schriftlichkeit verweisen: etwas zum Ausdruck bringen, Ausdruck finden, etwas Ausdruck verleihen/geben, Bekenntnis ablegen, Verständnis aufbringen, jemandem eine Aufgabe stellen. Auch schriftsprachlich klingende vorangestellte erweiterte Partizipialattribute in diesen und ähnlichen verbalen Fügungen finden sich in dieser Zeit: Das Entscheidende aber bleibt stets, daß er dem Gesamtzweck der gestellten Aufgabe eine entsprechende und ihn klar zum Ausdruck bringende Form gibt (Rede vom 11. 09. 1935). Die typischen Lemmata in Phase 2b, also nach der Kriegseröffnung, stammen (erwartungsgemäß) aus dem Wortfeld "Krieg" oder benennen die Kriegesgegner: Krieg (LLR: 244,43), Wehrmacht (LLR: 304,03), Luftwaffe (LLR: 163,67), Soldat (LLR: 288,72), polnisch (LLR: 163,67), britisch (LLR: 298,22), Churchill (LLR: 222,00) und Roosevelt (LLR: 220,63).
著者
芹澤 円
出版者
学習院大学
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
vol.15, pp.1-30, 2011-03

Gegenwärtig gibt es viele verschiedene Informationsmedien. Wir können gleich ein Ereignis, welches in einem fernen Land passiert ist, erfahren und können sogar, z.B. durch eine Rundfunkübertragung, ein lebendiges Gefühl davon bekommen. Die besondere Form des Massenmediums, einer Menschenmenge Informationen mitzuteilen, geht schon bis auf die Reformationszeit zurück. In der vorliegenden Arbeit untersuche ich das damals neue Papiermedium und analysiere Flugblätter in Hinsicht auf visuelle Informationen und in Hinsicht auf ihre Sprachformen als effektvolle Mittel der Überredung. Ohne die Erfindung der Drucktechnik wäre wohl überhaupt keine Reformation passiert. Nach der Erfindung des Typendruckes durch Johannes Gutenberg um 1440 nahm die Produktion von Druckerzeugnissen sprunghaft zu, und auch die zunehmende Papierproduktion war davon beeinflusst. Wegen dieser beiden Hauptursachen konnte das einfache Volk damals Druckerzeugnisse einfacher und billiger erhalten. Das beachteten die Reformatoren, denn sie versuchten bald mittels Flugblätter zu reformieren. Sie verbreiteten ihre Ideen nicht nur durch den Text, sondern auch durch Holzschnitte oder Kupferdrucke – und zwar vor allem als Flugblätter, die sowohl Bild- wie Textelemente umfassen. In dieser Arbeit analysiere ich auch den damaligen Prozentsatz der des Lesens und Schreibens Kundigen. Da dieser recht gering war, muss in Hinsicht auf die damalige Kultur von einer ,Stimmenkultur' gesprochen werden, die ich in Verbindung mit den Flugblätter setze. Damals gab es nur wenige Schriftkundige: zum Beispiel betrug der Prozentsatz der Schriftkundigen sogar in einer Stadt nur ca. 10 bis 30 Prozent. Kurzum: Für den weitaus größten Teil des Volkes wurde das Leben von der Stimmenkultur bestimmt. Ich vermute, dass dieser historische Hintergrund bei der Struktur der Flugblätter eine wichtige Rolle spielt, denn in vielen Flugblättern gibt es Hinweise auf das ,Vorlesen'. Zum Beispiel haben die Reformatoren auf den Flugblättern häufig Holzschnitte gedruckt, um damit den Analphabeten die Möglichkeit zu geben, den Inhalt der Flugblätter zu verstehen. Außerdem haben sie oft die Texte in Reime gebracht, weil das sehr nützlich beim Vorlesen war und sich die Zuhörer die Reime leicht merken konnten. Ich habe weiter zu analysieren versucht, welche rhetorischen Mittel sowohl in den Zeichnungen bzw. Bildern und den Texten der Flugblätter benutzt werden. Zuerst bemerkte ich, dass die meisten Zeichnungen fast alle das darstellen, was im Textinhalt auch erwähnt wird. Das ist verständlich, denn die Zeichnung ist für Analphabeten die beste Information. Und wenn man sich die Texte ansieht, dann fällt die Verwendung des Reims ins Auge. In vielen Flugblatttexten werden Reime verwendet, die eine Funktion beim Vorlesen haben und damit Teil der ,Stimmenkultur' sind. Weiter ist auffällig, dass in den Texten, viel mehr als ich erwartet hatte, rhetorische Mittel zu finden sind: Zum Beispiel gibt es Parallelismen, Antithesen, Hyperbeln usw. Häufig wird auch der Name von Christus erwähnt oder treten Bibel-Zitate auf. Damit wollte man sich wohl auf die göttliche Autorität berufen. Aber es gibt nicht nur ernste Flugschriften, sondern andere, die satirische Zeichnungen und spöttische Texte enthalten, die also zur Freude und Belustigung der Zuhörer und Leser dienten. Als Teil der oben erwähnten ,Stimmenkultur' waren Flugschriften der Reformationszeit sehr populär. Diese Popularität machen die Flugblätter meiner Meinung nach zu einem tatsächlichen Massenmedium. Die Methode der Informationsübermittlung war aber, im Unterschied zu heute, dass sich die Menschen einander die Flugblätter vorlasen. Wenn die Reformatoren im Volk ihre Meinungen zu verbreiten versuchten, war es am wichtigsten, Texte und Bilder der Flugblätter auf rhetorisch wirksame Weise besonders effektvoll zu gestalten.
著者
田中 翔太
出版者
学習院大学
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
no.15, pp.31-52[含 ドイツ語文要旨], 2011

Heute hat Deutschland ungefähr 82 Millionen Einwohner. Der Gesamtanteil der Ausländer davon ist ca. 8,2 Prozent, also ca. 6,7 Millionen. Die Türkischstämmigen stellen dabei die Mehrheit dar, mit einer Zahl von 1,65 Millionen. Die meisten türkischstämmigen Migranten kamen nach Deutschland, um zu arbeiten und ein besseres Leben als in der Türkei zu führen. Diejenigen nämlich, die nach Deutschland kamen, gehörten in der Türkei auch eher der Unterschicht an und gingen in der Türkei meist nicht zur Schule. Dadurch, dass Deutschland 2000 bei der PISA-Studien vor allem in Nordrhein-Westfalen, wo die meisten Migranten leben, schlecht abschnitt, gibt es in Deutschland immer wieder Diskussionen, dass man sich jetzt mehr auf die Bildung der Migranten konzentrieren solle. Außerdem bleiben die türkischstämmigen Migranten meistens unter sich und ziehen in Großstädte, in denen mehr als zwanzigtausend türkischstämmige Migranten leben. Dort bilden sie oft ghetto-artige Gemeinschaften. Deswegen gibt es zwischen Deutschen und türkischstämmigen Migranten immer wieder Verständnisprobleme. Auch in Bezug auf die Sprache gibt es spezielle Merkmale bei den türkischstämmigen Migranten. "In einigen deutschen Großstadtmilieus entwickeln sich bestimmte Formen des Türkischen, beziehungsweise der Sprache der türkischen Jugendlichen, zu prestigebesetzten Sprachformen für Jugendliche" (Keim 2002: 233). Und diese Sprachform wurde vor allem Mitte der 90er bekannt durch Literatur von Feridun Zaimoglu, HipHopMusik, Film und Fernsehen wie z.B. Erkan und Stefan oder Mundstuhl. Die türkischen Jugendlichen, vor allem die männlichen, sind laut obengenannter Typisierung angeberisch und machohaft, aggressiv und komisch, sprechen Kanak Sprak. Kanak Sprak, eine der Sprachformen, ist vor allem durch Feridun Zaimoglu, einen türkischstämmigen Autor, bekannt geworden. In seinem ersten Buch, Kanak Sprak: 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft, gibt er dem Begriff "Kanak Sprak" eine Definition, und zwar folgendermaßen: "Der Kanake spricht seine Muttersprache nur fehlerhaft, auch das »Alemannisch« ist ihm nur bedingt geläufig. Sein Wortschatz setzt sich aus »verkauderwelschten « Vokabeln und Redewendungen zusammen, die so in keiner der beiden Sprachen vorkommen." (Zaimoglu 1995: 13) Seitdem nennen sich die türkischstämmigen Jugendlichen selbst stolz "Kanake" und ihr Selbstbild hat sich positiv verändert. Aber spiegelt Kanak Sprak eigentlich die Sprache der türkischstämmigen Migranten wider? In auf Kanak Sprak geschriebenen Texten, wie z.B. "Murat und Aische" ("Hänsel und Gretel" als Kanak Sprak Version), kommen manchmal sprachliche Merkmale vor, die man nicht in der von den türkischstämmigen Migranten gesprochenen Sprache findet. Angesichts dieser Tatsache gehe ich davon aus, dass Kanak Sprak eine z.T. durch Medien stilisierte Sprache ist. Dabei hilft eine Grafik von Auer (2003), die die Sprachwandlung von "Türkenslang" zeigt. Laut Auer wird der primäre Ethnolekt, der vor allem von türkischen Sprechern gesprochen wird, gerne durch Komiker oder Kabarettisten benutzt und dabei stilisiert. Die stilisierte Sprache wird dann vor allem von deutschen Sprechern weiter gesprochen. Aber es gibt auch Jugendliche, die in ihrem Lebensbereich türkischstämmige Migranten haben und daher mehr oder weniger mit deren Sprache aufgewachsen sind. Da findet eine De-Ethnisierung zum Soziolekt statt, d.h., die Sprache wird in naher Zukunft weiter als ein neuer deutscher Soziolekt gesprochen werden. Das zeigt, dass Kanak Sprak nun durch Medien andere Merkmale in sich aufnahm und daher vom sogenannten Türkendeutsch etwas zu differenzieren ist. Jedoch bestätigt diese Konsequenz die Meinung von James Milroy, dass eine Sprache nicht stabil bleibt, und das zeigt, dass sich auch die Sprache weiterentwickelt, die die türkischstämmigen Migranten sprechen.
著者
高田 博行
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
no.15, pp.89-159, 2011-03-20

Es ist in der einschlägigen Literatur unumstritten, daß die Reden von Hitler einen grundlegenden Anteil an seinem Erfolg in Partei und Politik hatten. Ausgehend von der Auffassung, daß signifikant häufiger auftretende sprachliche Muster (bestimmte Lexeme oder Lexemverbindungen) als Ausdruck der außersprachlichen gesellschaftlichen Organisation bzw. als Ausdruck rekurrenter Sprachhandlungen des Autors gedeutet werden können (vgl. Bubenhofer/Scharloth [im Druck]), untersucht die vorliegende Arbeit mit korpuslinguistischen Methoden ("semtracks semantic matrix engine") insgesamt 558 Hitlerreden mit ca. 1.500.000 Wörtern auf ihre lexikalischen Muster hin und versucht, auf diese Weise die Eigenschaften der Reden vor und nach der Machtergreifung herauszufinden. Zur präziseren Erfassung der Veränderungen wurden die beiden Zeitphasen jeweils in zwei weitere Teilphasen unterteilt: Phase 1 – aufgrund der Ernennung von Goebbels zum Reichspropagandaleiter der NSDAP im April 1930 – in die Teilphasen 1a und 1b, Phase 2 – aufgrund der Kriegseröffnung im September 1939 – in die Teilphasen 2a und 2b. Nach den Berechnungen von für die jeweiligen Zeitphasen typischen Lexemen und Lexemverbindungen mittels der Log-Likelihood-Ratio (LLR) und t-Score läßt sich Folgendes feststellen: Der größte Unterschied zwischen den Reden vor und nach der Machtergreifung, also zwischen Phase 1 und Phase 2, betrifft den Gebrauch der Pronomen man, ich und du. Statt des Pronomens man, das Hitler in Phase 1 im Vergleich mit Phase 2 sehr viel häufiger gebraucht (LLR: 1157,94), wird in Phase 2 das Personalpronomen ich signifikant häufiger benutzt (LLR: 406,89); dies ließe sich als Indikator dafür interpretieren, daß Hitler nun in Phase 2 die Indefinitheit bzw. die (scheinbare) Objektivität von man zugunsten der Definitheit bzw. der unabhängigen Subjektivität von ich weitgehend vermeidet. Den ebenso außerordentlich häufigeren Gebrauch von du in Phase 1 kann mit Parteigenossen und Nazi-Sympathisanten als überwiegender Zuhörerschaft in Zusammenhang gebracht werden. Den zweitauffälligsten Kontrast stellt die Verwendung der konditionalen Konjunktion wenn dar. In den Wahlkämpfen vor der Machtergreifung spricht Hitler in Phase 1 signifikant häufiger von wenn (LLR: 599,40), um den Zuhörern in appellativer Weise (oft fiktive) Sachinhalte vor Augen zu führen, die gewisse andere Sachverhalte voraussetzen (Wenn wir von Treue reden, die uns verlorenging, dann soll man nicht auf Treue hoffen, wenn wir selbst sie preisgeben; Rede vom 02.11.1932). Typisch für Phase 1 ist auch der Gebrauch des Modalverbs müssen (LLR: 216,77), mit dem Hitler die zwingende Notwendigkeit seiner jeweiligen Behauptungen signalisiert. Eine Reihe von Lemmata, die Hitler in seiner NS-Bewegung in Phase 1 zur Bezeichnung der zu verleumdenden Referenten braucht, wie z. B. Weimarer System (LLR: 236,27), Republik (LLR: 231,66), Volkspartei (220,05), Marxismus (LLR: 201,55), Jude (LLR: 186,63), Bürgertum (LLR: 181,60) und bürgerlich (LLR: 160,68), verlieren in Phase 2 – einschließlich der Lexeme Bewegung (LLR: 376,85), Idee (LLR: 150,48) und Begriff (LLR: 205,78) – ihre früheren Stellungen in den Hitlerreden. Nach der Machtergreifung gilt sowohl bei Triumphen als auch Niederlagen die göttliche Vorsehung (LLR: 239,88) jenseits des Menschenwerks als oberste Legitimationskategorie für Hitlers Projekte. Unter den Adjektiven in Phase 2 hat das Lemma nationalsozialistisch (LLR: 421,57) zusammen mit deutsch (LLR: 209,82), kulturell (LLR: 204,40) und geschichtlich (LLR: 168,05) eine zentrale Bedeutung. Bei staatlichen und öffentlichen Veranstaltungen einschließlich der Kunstausstellungen im Rahmen der Friedenspropaganda in Phase 2a (Ausstellung und Frieden gehören auch zu den typischen Lexemen in diesem Zeitabschnitt), also in der Zeit zwischen der Machtergreifung und der Kriegseröffnung, mußte Hitler in seinen Reden als "Führer" mehr oder weniger mit Wendungen offiziellen Charakters sprechen. Die Substantive Ausdruck (LLR: 57,54), Bekenntnis (LLR: 53,76), Verständnis (LLR: 36,60) und Aufgabe (LLR: 39,87) als signifikant häufigere Lemmata in Phase 2a im Vergleich mit Phase 2b stehen – nach der Berechnung der t-Score – dementsprechend mit bestimmten Verben in festen Verbindungen, die als Funktionsverbgefüge bezeichnet werden und auf konzeptionelle Schriftlichkeit verweisen: etwas zum Ausdruck bringen, Ausdruck finden, etwas Ausdruck verleihen/geben, Bekenntnis ablegen, Verständnis aufbringen, jemandem eine Aufgabe stellen. Auch schriftsprachlich klingende vorangestellte erweiterte Partizipialattribute in diesen und ähnlichen verbalen Fügungen finden sich in dieser Zeit: Das Entscheidende aber bleibt stets, daß er dem Gesamtzweck der gestellten Aufgabe eine entsprechende und ihn klar zum Ausdruck bringende Form gibt (Rede vom 11. 09. 1935). Die typischen Lemmata in Phase 2b, also nach der Kriegseröffnung, stammen (erwartungsgemäß) aus dem Wortfeld "Krieg" oder benennen die Kriegesgegner: Krieg (LLR: 244,43), Wehrmacht (LLR: 304,03), Luftwaffe (LLR: 163,67), Soldat (LLR: 288,72), polnisch (LLR: 163,67), britisch (LLR: 298,22), Churchill (LLR: 222,00) und Roosevelt (LLR: 220,63).
著者
山川 和彦
出版者
学習院大学
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
vol.3, pp.119-138, 1999

In Südtirol, wo Zweisprachigkeit, d.h. Deutsch und Italienisch, verpflichtend ist, wird über die Toponomastik gestritten. In Tramin, einer Gemeinde, in der der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung 97% ausmacht, werden rein deutschsprachige Straßenschilder angebracht. Diese Tatsache habe der italienischen Sprachgruppe vorsätzlich einen ungerechten Schaden zugefügt, meinte eine italienische Partei, MSI, und hat im Oktober 1997 den Bürgermeister und Bauassessor angeklagt. Auf Befehl des Landeshauptmanns wurden zwar die Straßenschilder wieder zweisprachig angebracht, aber der Prozess hat im Mai 1998 begonnen. Hier handelt es sich um folgende Probleme: 1) die Zuständigkeit der Gemeinde für die Mikrotoponomastik(Straßennamen usw.), was eine Beziehung auf die Interpretation des Sonderstatutes für Trentino-Alto Adige hat. Im Sonderstatut gibt es aber dafür keine Durchführungsbestimmungen. 2) die Meinungsverschiedenheiten der Sprachgruppen und besonders der Parteien über die Toponomastik. Die deutsche Sprachgruppe behauptet, dass die Heimatsprache in Südtirol Deutsch sei. Deswegen seien die deutschen Ortsnamen historische Denkmäler und zwar einnamig. Fast alle heutigen italienischen Namen seien Pseudonyme, die während der Faschistenzeit eingeführt worden waren. Dagegen äußert die italienische Sprachgruppe, ihre Wohnungsdauer solle überdacht werden. Die italienischen Ortsnamen seien für sie auch Kulturgut geworden. Über die Entwürfe der toponomastischen Fragen haben die Parteien schon vielmals diskutiert, aber bis heute sind sie zu keiner Übereinstimmung gekommen. Südtiol führt zur Zeit mit Bundesland Tirol in Österreich und Provinz Trent einen Plan durch, eine grenzüberschreitende Gemeinschaftsinitiative "Europaregion Tirol" zu schaffen. Darin soll die Sprache kein Hindernis sein. So sollen neue Argumente für die zukünftige Toponomastik geschaffen werden.
著者
田中 翔太
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
no.16, pp.81-104, 2012-03-01

Ursprünglich begann die Erforschung des Deutschen der Türkischstämmigen in den 1970er Jahren. Damals wurde diese Sprache nicht nur mit dem Deutschen der Türkischstämmigen,sondern auch mit dem Deutschen der anderen Migranten zusammen als Gastarbeiterdeutsch bezeichnet. Bis jetzt wird der Begriff des Deutschen der Türkischstämmigen u.a. als Türkendeutsch,Kanak Sprak,Stadtteil-Sprache,Türkenslang,Kiezdeutsch(Kiez-Sprache)gekennzeichnet. Jedoch sind die Gegenstände,Inhalte oder Bereiche der jeweiligen Begriffe mehr oder weniger verschieden. Der Begriff Kanak Sprak,der durch Feridun Zaimoglu,einen türkischstämmigen Autor,im Buch "Kanak Sprak: 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft" (1995)definiert wurde,ist heute bekannt. Zaimoglu benutzte mit Absicht das negative Wort Kanake und fokussierte damit auf türkischstämmige Jugendliche und deren Sprache. Sein Ziel war es,dass diese Jugendlichen wieder ein positives Selbstbild bekommen sollen. Jedoch machten sich Komiker über das Deutsch der Türkischstämmigen in TV-Medien lustig und stilisierten dabei diese Sprache; so entwickelte sich eine negative Stereotypisierung.\Der vorliegende Aufsatz fokussiert sich aus diesen vielen Begriffen,die das Deutsch der Türkischstämmigen bezeichnen,vor allem auf den Begriff Kiezdeutsch,der durch Heike Wiese in ""Ich mach dich Messer": Grammatische Produktivität in Kiez-Sprache("Kanak Sprak")" (2006)definiert wurde. Dieser Begriff erlaubte eine erweiterte und übertriebene Interpretation. Wiese verwendet das Wort Kiez,das umgangssprachlich "Rotlicht-,Amüsier- und Vergnügungsviertel" heißt,und definierte diese Sprache folgendermaßen: Kiezdeutsch ist "eine jugendsprachliche Varietät,die sich in urbanen Wohnvierteln mit hohem Migrantenanteil ausgebildet hat" (Wiese 2006: 247); diese Sprache habe auch Beziehungen zum Ethnolekt,dem Zweitspracherwerb und der Jugendsprache. Ein Satz wie Ich mach dich Messer hat laut Wiese "grammatische Produktivität"; dem Kiezdeutsch,das nun keine bestimmte Ethnizität mehr hat,wurde von Wiese die "Bereicherung der deutschen Sprache" oder der "Erfindungsreichtum und grammatikalische Finesse" zugeschrieben; darüber wurde auch in den Medien berichtet.\Um die Ausbreitung der Bewertung und der Interpretation dieses Begriffs genauer zu verstehen,versuche ich eine Analyse in drei Richtungen,und zwar aus Sicht der (1) Sprachwissenschaftler,der (2) Medien-Berichte und der (3) Medien-Empfänger. Es wurde klar,dass in der Sicht (1) durch Wiese und ihre Mitarbeiterinnen die Produktivität des Begriffs genannt und versucht wird,den Begriff zu verbreiten und in der deutschen Gesellschaft anerkennen zu lassen. In der Sicht (2) konnte man sehen,dass nur über einen Teil der Elemente dieses Begriffs,wie z.B. "Jugendsprache" oder "Gruppensprache",in den Medien berichtet und (in-)direkterweise eine positive Bewertung gegeben wird. In der Sicht (3) waren positive Interpretationen zu erkennen,wie z.B.,dass die Medien-Empfänger Kiezdeutsch als die Sprache ansehen,die eine schnelle und vereinfachte Kommunikation ermöglicht und die eher auch von Deutschen gesprochen wird. Dies ist zwar nur eine Tendenz,aber es ist klar zu sehen,dass positive Bewertungen von Wiese,wie z.B. "Produktivität",solche erweiterten lnterpretationen von Medien-Berichten und-Empfängern erlaubten.\Als Fazit lässt sich sagen,dass in allen drei Phasen Kiezdeutsch nicht mehr als Ethnolekt anerkannt wird. Dass Medien die Sprache der Türkischstämmigen stilisierten oder Begriffe erweitert interpretierten,verursachten Missverständnis und Verwirrung der Begriffe. In Bezug auf die Rolle der Sprachwissenschaftler wäre sicherlich eine andere Bewertung zu sehen gewesen,wenn Wiese als Sprachwissenschaftlerin dieses Phänomen ohne jegliche Einschätzung nur beschrieben hätte.
著者
大倉 子南
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
no.21, pp.97-119, 2017-03-01 (Released:2017-05-31)

Im 19. Jahrhundert beeinflusste der deutsche Nationalismus nicht nur die Politik, sondern auch die Kultur in Deutschland. Auch der Schriftstreit in Deutschland wurde davon beeinflusst. In Deutschland gab es eine eigene Schrift, die man in anderen Ländern frühzeitig schon abgeschafft hatte. Diese Schrift hieß „Fraktur“ und wurde auch „deutsche Schrift“ genannt. Sie erhielt sich jahrhundertelang, obwohl es mehrmals einen Schriftstreit mit der „Antiqua“ oder „Lateinschrift“ genannten Schrift gab. Eine erste Bewegung gegen die Fraktur entstand im 18. Jahrhundert. Friedrich der Große wollte Antiqua verwenden und auch die Elite in Deutschland wollte deutsche Texte in Antiqua drucken; allein damals war der Schriftstreit zwischen deutscher und lateinischer Schrift noch nicht sehr heftig. Im 19. Jahrhundert stieg die Anzahl der Bücher, die in Fraktur gedruckt wurden, erst an. Der Grund dafür war der, dass durch die französische Okkupation Berlins (nach den preußischen Niederlagen gegen Napoleon 1806) und der Besetzung deutscher Gebiete durch Frankreich, es zu einer Aufwertung des deutschen Nationalgefühls gegenüber dem von Napoleon geführten Frankreich kam. 1861 wurden 78 Prozent aller Drucksachen in Deutschland in Fraktur gedruckt. Die Verwendung der Frakturschrift nahm mehr und mehr zu, aber wenn es um Schriften für den internationalen Austausch ging, musste man auch in Deutschland die Antiquaschrift gebrauchen. Der Schwerpunkt des Schriftstreits in Deutschland war, welche Schrift passend zur deutschen Sprache sei, das heißt, welche Schrift das „Deutschtum“ ausdrücke. Der Schriftstreit spitzte sich vom Ende des 19. und bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts am schärfsten zu. Diese Schriftfrage wurde sogar 1911 im Reichstag diskutiert. Anhänger der Fraktur und der Antiqua fanden zur Befürwortung „ihrer“ Schrift erzieherische, ästhetische, gesundheitliche und wirtschaftliche Gesichtspunkte. Die Anhänger der Antiqua äußerten sich in der Weise, dass diese Schrift notwendig im internationalen Verkehr sei, weil Antiqua schon in ganz Europa verwendet werde. Ihre Meinungen waren also von der Zweckmäßigkeit bestimmt. Im Gegensatz dazu argumentierten die Anhänger der Fraktur, dass diese Schrift zur deutschen Sprache und zum deutschen Volke gehöre. Deswegen sollten die Deutsche diese Schrift als ein Symbol der deutschen Kultur und des deutschen Geistes, nämlich als ein Symbol des „Deutschtums“ überhaupt, erhalten. Die beide Lager setzten sich zum Ziel, das „Deutschtum“ zu erhalten und auch auszuweiten. Aber sie begriffen das „Deutschtum“ jeweils anders. Hier kann man also zwei verschiedene Weisen, das „Deutschtum“ zu verstehen, erkennen. Das erste Verständnis des „Deutschtums“ stammt vom deutschen ausschließlichen Nationalismus. Dieser Nationalismus behauptet die Eigentümlichkeit des Volkes. Im 19. Jahrhundert hatte Deutschland gegen Frankreich eine Abneigung. Frankreich wurde als „Feind“ oder „Anderer“ angesehen und so wurde der deutsche Nationalismus gestärkt. Die Anhänger der Fraktur sprachen die Schriftfrage von dieser Seite an. Sie betrachteten die Existenz der eigenen Schrift als Ausdruck der eigentümlichen Kultur Deutschlands. Dabei wurde die deutsche Schrift als „ein Sinnbild des Deutschtums“ (Verhandlungen des Reichstags 1911:6365C) mit der deutsche Sprache verbunden. Mit dieser anderen Schrift sollte auch die von den Nationalisten geglaubte Überlegenheit der deutschen Kultur demonstriert werden. Das zweite Verständnis des „Deutschtums“ stammt auch vom deutschen Nationalismus. Aber dieser Nationalisms hat Allgemeinheit. Das „Deutschtum“ stand für die Anhänger der Antiqua in einer internationalen Konkurrenz der Kulturen. Sie waren davon überzeugt, dass die Verbreitung und Geltung der deutschen Kultur im Ausland am wichtigsten für Deutschland sei. Dieses doppelte „Deutschtum“ ist eine Besonderheit im Schriftstreit in Deutschland vom Ende des 19. bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dieser Schriftstreit berührte auch die Frage, was eigentlich „deutsch“ sei. Bei der Debatte des Reichstags über die Schrift gewann die Fraktur und sie wurde weiter benutzt. Im Ersten Weltkrieg wurde die Schrift häufiger verwendet und auch im Zweiten Weltkrieg von den Nazis. Aber 1941 wurde die Fraktur plötzlich auf ausdrücklichen Befehl Hitlers abgeschafft, weil sie nicht praktisch war, um die Macht des Nazis in anderen Ländern ausüben zu lassen. Danach werden Drucksachen in Deutschland in Antiqua gedruckt. Wir erkennen bei Schriften im Alltagsleben nicht so, dass sie manchmal als der „Geist der Nation“ verstanden werden. Es gab Schriftstreitigkeiten auch in Japan und auch in anderen Ländern, oft im Zusammenhang mit Diskussionen um die „Nation.“ So hat die Beziehung zwischen dem Nationalismus und dem deutschen Schriftstreit vom Ende des 19. bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wichtige Bedeutung.
著者
杉山 真佑美
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集
巻号頁・発行日
no.22, pp.55-72, 2018-03

Emile Jaques-Dalcroze (1865-1950) ist ein Schweizer Musikpädagoge und der Begründer der „Rhythmik“, die eine rhythmisch-musikalischen Erziehung ist. Sein großes Verdienst liegt in der Entdeckung des Rhythmus und in seiner Verbindung der rhythmischen Bewegung mit der musikalischen Erziehung. Im Jahr 1911 wird die „Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus E. Jaques Dalcroze“ in Hellerau bei Dresden gegründet, und er ist dort bis 1914, dem Jahr des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, als Lehrer für Rhythmik tätig. Wolf Dohrn (1878-1914), der großes Interesse für Dalcrozes Methode hat und ihn nach Deutschland einlädt, um in dieser Bildungsanstalt Hellerau Unterricht in Rhythmik zu geben, schreibt in seiner Schrift Die Aufgabe der Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze: „Unsere Anstalt unterscheidet sich von den meisten Lehr- und Bildungsanstalten dadurch, daß sie einem ganz bestimmten Gedanken dient: der Wiedergewinnung des Rhythmus in der Erziehung, in der Bildung der Persönlichkeit, in der Kunst und im Leben.“ (Dohrn 1911:44) Seine Zeit sieht er als entrhythmisiert an. Durch die reformpädagogische Bewegung wird die Kunsterziehung zur Bildung der Menschen gefördert, die gegen die bisherige Bildung und Kultur kämpft. Diese Arbeit stellt sich die Aufgabe, die Beziehung zwischen der rhythmischen Bewegung und der Bildung der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Dafür ist Dalcrozes Rhythmik ein Beispiel, welches ich hier untersuche. Zuerst stelle ich die Kunsterziehungsbewegung vor, die ein Teil der reformpädagogischen Bewegung ist, die es am Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts gab. So fand beispielsweise der dritte Kunsterziehungstag 1905 in Hamburg statt und behandelte das Thema „Musik und Gymnastik.“ Der Hauptinitiator dieses Tages, der Kunsthistoriker Alfred Lichtwark (1852-1914), führt aus, „(...) daß Musik und Gymnastik eine gemeinsame Wurzel in den von Gesang oder von Musik begleiteten rhythmischen Bewegungen des Tanzes und des Reigens haben, und daß diese uralte Verbindung für die Erziehung von sehr hoher und bisher praktisch noch nicht allgemein gewürdigter Bedeutung sei. (...) Die ästhetische Wirkung der Leibesübungen ist wesentlich an die Verbindung mit der Musik gebunden.“ (Lichtwark 1906: 26-28) Musik und Gymnastik haben als eine gemeinsame Wurzel den Rhythmus. Diese Verbindung sei, wie er sagt, aus uralter Zeit, trotzdem praktiziere man sie aber bisher nicht. Was theoretische Untersuchungen über den Rhythmus betrifft, so erschien 1896 die Untersuchung Arbeit und Rhythmus von Karl Bücher (1847-1930). Der Grundgedanke Büchers lautet: „Der Rhythmus entspringt dem organischen Wesen des Menschen.“ (Bücher 1919: 454) Es ist von entscheidender Bedeutung, dass der Mensch den Rhythmus nicht durch Musik, Tanz und Gedicht erlernt, sondern ihn ursprünglich in seinem eigenen Körper hat. Trotzdem, in der Zeit der Industrialisierung, sind die Menschen entrhythmisiert. Dalcroze nennt diese Erscheinung „Arhythmie“ und versteht darunter sogar eine Art Krankheit. Wie sehr man sich in dieser Zeit mit diesen Fragen beschäftigt, zeigt sich darin, dass der Tanz in Nietzsches Werk Also sprach Zarathustra eine entscheidende Rolle spielt. So heißt es dort: „Nur im Tanze weiss ich der höchsten Dinge Gleichniss zu reden.“ (Nietzsche 1980: 144) Dass Nietzsche gegenüber der Kultur und Bildung seiner Zeit sehr kritische eingstellt ist, ist allgemein bekannt. Abschließend untersuche ich Dalcrozes Rhythmik genauer. Als er erstmals am Genfer Konservatorium unterrichtet, bemerkt er, dass seine Schüler und Schülerinnen kein sehr ausgeprägtes musikalisches Gehör haben; dabei entdeckt er, dass dasjenige, „was in der Musik motorischer oder dynamischer Natur ist, nicht allein vom Gehör abhängt, sondern noch von einem andern Sinne.“ Dazu schreibt er dann: „Ich ließ also meine Schüler Marsch- und Haltübungen machen und gewöhnte sie daran, beim Hören musikalischer Rhythmen körperlich zu reagieren. Dies war der erste Anfang der Rhythmik.“ (Dalcroze 1921: X-XI) Sein pädagogisches Ziel beschreibt er so, dass die Schüler und Schülerinnen nach der Vollendung ihrer Studienzeit nicht mehr „ich weiß“, sondern „ich empfinde“ sagen können. Dieser Aufsatz thematisiert also den Rhythmus bei der Kunsterziehung in den Bereichen der Musik und der Gymnastik zur Zeit der Jahrhundertwende. Den Rhythmus, der ganz ursprünglich im Körper der Menschen angelegt ist, entdeckt Dalcroze in seinen Arbeiten wieder und führt die rhythmische Bewegung in der musikalischen Erziehung ein. Seine Bemühungen verbinden sich mit der Zeitströmung der reformpädagogischen Bewegung, was zu einer günstigen Aufnahme seiner Methode führt. Insgesamt geht es Dalcroze darum, die Ursprünglichkeit der Menschen wieder zu finden, was zur Befreiung ihrer Menschlichkeit führen soll.
著者
佐藤 恵
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
no.19, pp.95-134, 2015-03-01

Die Sprache verandert sich, indem die Konstellationen von miteinander konkurrierenden Sprachvarianten sich durch verschiedenartige Faktoren verschieben, wobei Nebenformen im Gegensatz zu Hauptvarianten oft als fehlerhaft empfunden werden. Im Sinne der Formulierung von Milroy (1992: 169), "it is speakers, and not languages, that innovate", ist davon auszugehen, dass der Sprachwandel die Veranderung der Auswahl aus verschiedenen Varianten durch Sprecher/ Schreiber darstellt. Dies bedeutet, dass das Sprachbewusstsein, das mit seiner Bewertungsskala die Selektion aus mehreren sprachlichen Formen regelt, bei der Beobachtung des Sprachwandels Berucksichtigung finden muss. Im Anschluss an Scharloth (2005:19) wird in der vorliegenden Arbeit unter Sprachbewusstsein "die Gesamtheit des metasprachlichen Wissens eines Individuums oder (hypostasierend) einer Gruppe" verstanden. Zur Erklarung des Mechanismus der sprachlichen Veranderung gilt es deshalb, das Bewusstsein der verschiedenen Varianten zu untersuchen.In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, den Prozess des Sprachwandels anhand der Entwicklung der Praposition wegen aus der Perspektive des Sprachbewusstseins zu erfassen. Die Rekonstruktion des Sprachbewusstseins soll dabei aus der Analyse der Geschichte sowohl des Sprachgebrauchs und Sprachsystems als auch der metasprachlich-bewertenden Aussagen uber die Varianten erfolgen.Die Praposition wegen gehort zu den sogenannten "neuen" Prapositionen, die aus Nomen oder Verben stammen. Bei der Wahl des Kasus gibt es heute bekanntlich "Schwankungen": Genitiv oder Dativ. Zur Erfassung der geschichtlichen Entwicklung des Sprachgebrauchs von wegen werden Daten von insgesamt 140 gedruckten Gebrauchstexten (auser literarischen Texten) in der Zeit von 1520 bis 1870 und das Korpus "Deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts Online" (de Gruyter) herangezogen. Als Ergebnis der Untersuchung lassen sich vor allem die folgenden Tendenzen feststellen:A) die Abnahme der Varianten von + Genitiv + wegen und von wegen + Genitiv seit Mitte des 17. Jahrhunderts B) das Auftreten der Variante wegen + Genitiv im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts C) das Auftreten der Variante wegen + Dativ am Ende des16. Jahrhunderts D) die Zunahme der Variante wegen + Genitiv im 17.Jahrhundert E) die Zunahme der Variante wegen + Dativ im 18.Jahrhundert und ihre plotzliche Abnahme nach 1800. Als wichtigster Faktor fur den Wandel des Wortes wegen kann das semantisch-syntaktische Sprachbewusstsein benannt werden; die "Desemantisierung" des Substantivs Wegen (Plural Dativ von Weg) und die "Grammatikalisierung" des Wortes wegen zum Status Praposition verursachen verschiedene Kasusrektionen seitens der Sprecher (Schreiber).Zur Rekonstruktion des Sprachbewusstseins mittels der metasprachlichen Aussagen werden in dieser Arbeit 40 Grammatiken und Worterbucher evaluiert und direkte Bezuge zu der Praposition wegen gesammelt. In diesen Bewertungen wurden - wenn uberhaupt - die Varianten mit von und mit Dativ stigmatisiert. In der Geschichte der metasprachlichen Aussagen uber wegen ist der Ausspruch von Adelung (1781) "Es mit dem Dativ zu verbinden, wegen seinem Fleise, ist im Hochdeutschen fehlerhaft." sozusagen als Wasserscheide zu verstehen. Die ungewohnliche Veranderung, dass die Variante wegen + Dativ, die im 18. Jahrhundert stetig zugenommen hatte, nach der Jahrhundertschwelle 1800 plotzlich abzunehmen begann, konnte sich auf das (indirekte) Einwirken des Grammatikers Adelung durch den Schulunterricht im 19. Jahrhundert zuruckfuhren lassen. Man kann in diesem Zusammenhang vom soziolinguistischen Sprachbewusstsein fur den Sprachwandel sprechen.
著者
保阪 良子
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
no.1, pp.141-173, 1997-03-01

Die vorliegende Arbeit soll zuerst skizzieren, aus welcher Motivation in den USA die Fragestellung <Sprache und Frauen> entstanden war und wie die feministische Linguistik seit der 70er Jahren als Wissenschaft etabliert worden ist. Daraufhin wurde die Problematik anfangs von Trömel-Plötz (1978) auch in Deutschland aufgegriffen und von mehreren Linguistinnen untersucht. Sie kamen zu dem Schluß, daß Frauen auch in der deutschen Sprache, in der Grammatik, im Wortschatz sowie in den Redewendungen als "unsichtbar", "nicht direkt angesprochen" oder "abwertend" behandelt werden. Dabei haben die Linguistinnen parallel zu den wissenschaftlichen Arbeiten Empfehlungen zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs gegeben. Sie sind zwar nicht als verbindlich anzusehen, aber einige Vorschläge davon haben breite Anerkennung und Anwendung in der gesellschaftlichen Praxis sowie in amtlichen Bereichen gefunden; trotz der Strategie des Widerstandes, die sich im Leugnen, Beschwichtigen, Ignorieren, Warnen, Herabsetzen und Lächerlichmachen ausdrückte. Als stellvertretend für die Erforschung der englischen PronomenGeschichte wird hier Bodine (1975) vorgestellt: Der Gebrauch "they" im Singular wurde von den Präskriptiv-Grammatikern seit 16. Jhd. heftig attackiert, um die Kongruenz des Numerus sowie die männliche Form "he" als Wort für "Mensch" durchzusetzen. Diese Geschichte zeigt, wie die Grammatik künstlich und ideologisch als eine Institution funktioniert (hat). Weil aber das Deutsche einen anderen Prozess bei der Entstehung des Hochdeutschen und der Grammatik als das Englische durchgemacht hat, müßten noch typisch deutsche Phänomene wie Genus und Sexus, Wortbildung, Bedeutungsverschlechterung und auch die Rolle der Sprachgesellschaften vom feministisch-linguistischen Standpunkt aus untersucht werden. Außerdem werden seit der 80er Jahren Gesprächsanalysen durchgeführt, um zu prüfen, ob es stimmt, daß Frauen "geschwätziger" sind als Männer. Ein oft zitiertes Ergebnis amerikanischer Untersuchungen zeigt, daß Männer viel öfter und länger als Frauen reden, und Frauen häufiger unterbrechen. Frauen übernehmen daher oft die Rolle der Zuhörerin. Nach der Untersuchung von Schmidt (1988) zeigten sich aber bezüglich der obengenannten Punkte (außer: "Frau als eine gute, aktive, kooperative Zuhörerin") bei den beiden Geschlechtern keine signifikanten Unterschiede. Und nach einer japanischen Studie wird die Japanerin zwar auch von männlichen und weiblichen Ausländern, aber sehr viel häufiger vom Japaner unterbrochen. Hier ist ein möglicher Reflexionsansatz zu sehen, auch Männer als Forschungsgegenstand aus einer gender-Perspektive zu betrachten; anders als die bisherigen soziolinguistischen Arbeiten, wo männliche Forscher nur Männer untersuchten und das Ergebnis dann als "allgemein menschlich" verbindlich festschrieben (Sprachverhalten der Frauen als "marginal/markiert"). Die Thematik <Sprache und Geschlecht> solle nicht nur auf (biologische) Frauen beschränkt bleiben. Kulturunterschiede, die Funktion des Schweigens sowie der Einfluß der Sprache (ob Muttersprache oder Fremdsprache) wären auch zu berücksichtigen. Es ist an der Zeit, die Ergebnisse sowie die Richtung der amerikanischen und feministischen Linguistik zu relativieren.
著者
小林 将輝
出版者
学習院大学
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
vol.13, pp.95-116, 2009-03

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Forschung bezüglich Hans Christian Andersen in der Hinsicht gewandelt, dass seit etwa 1980 oft auch seine Reiseberichte auf vielfältige Weise erwähnt wurden. In der gegenwärtigen Forschung gibt es wichtige Arbeiten wie z. B. die von Uwe Ebel, die sich damit auseinander setzen, wie das "wirklich" Erfahrene des Reisenden in fremden Orten in der Literatur umgesetzt wird. Basierend auf diesen Forschungsergebnissen, werden in dieser Arbeit die Darstellungsweisen der "fremden" Erfahrung in Eines Dichters Basar behandelt. Diesen Reisebericht veröffentlichte Andersen 1842, nachdem er 1840/41 durch Deutschland, Italien und Griechenland bis in die Türkei gereist war. In Eines Dichters Basar wird oft betont, dass schöne Landschaften oder lebendige Anblicke in Städten mit Worten unbeschreiblich seien und nur ein Maler diese darstellen könne. Doch ist es auch unübersehbar, dass der Autor in diesem Reisebericht versucht hat, die Kraft der malerischen Darstellung im Text zu verwenden und durch eigene sprachliche Konstrukte die Reiseerfahrungen zum Ausdruck zu bringen. Diese lassen sich in drei charakteristische Darstellungsweisen einteilen: Als erste diejenige, die Gegenstände wie bei Gemälden oder Fotografien, schildern. Zum zweiten die, die bei den Lesern den Eindruck des Gemäldes selbst erwecken soll und zuletzt diejenige, die poetische Effekte hat. Mit der ersten Darstellungsweise wird hier prinzipiell auf die Quantität der präzisen Darstellung hingewiesen. Ein Bild eines Gemäldes oder einer Fotografie nimmt zahlreiche Gegenstände mit konkreten Formen in das Tableau auf. Auch in Eines Dichters Basar trifft man sehr oft auf solche Textstellen. In der deutschen Version des Abschnitts "Aussicht aus meinem Fenster" wird z. B. der Anblick des Platzes "Piazza Fiorentini" mit über 60 Zeilen beschrieben. Vielen Gegenständen wird hier mit sehr langen Darstellungen sorgfältig Ausdruck gegeben. Die Darstellungsweise, die bei den Lesern den Eindruck des Gemäldes selbst erwecken soll, ist in wiederholten Ausdrücken wie "malerisch" oder "Bild/Gemälde" sowie Wörtern, die sich auf Malereiarbeiten beziehen, erkennbar. In Eines Dichters Basar sind viele Ausdrücke dieser Art verstreut. Die Landschaften und Szenen, die sich der Reisende anschaut, werden als "malerisch" geschildert und die Anzahl der zusammenhängenden Ausdrücke häuft sich auf über 20. Zudem ist die Anzahl der Wörter, die sich auf die Malereiarbeit beziehen, auch sehr zahlreich. Durch die Wiederholung der Ausdrücke assoziiert der Leser unbewusst das Geschriebene mit dem Gemalten. In der dritten, die poetischen Effekte beschreibenden Darstellungsweise, geht es um Textteile, in denen kurze Geschichten sowie Legenden oder symbolische Figuren eingeführt werden. In Eines Dichters Basar finden sich viele dieser kurzen Geschichten und Legenden, wie z.B. "Metallschwein" oder "Pegasus und die Vetturinpferde". Auch gibt es Figuren wie Grab oder Vogel, die als Metapher dienen und damit Vergangenheit und Poesie symbolisch repräsentieren. Mit solchen Effekten erweist sich dieser Reisebericht nicht nur als ein bloßes Reisedokument, sondern gewinnt auch phantasiehafte und poetische Weltbilder. Nach Ebels Auffassung ist hier eine Poetisierung der Welt zu finden. Sie gibt diesem Reisebericht eine "Stimmung", damit sie die Alltagswelt "ästhetisch genießbar macht". Mit diesen drei Darstellungsweisen zeigt Eines Dichters Basar eine künstliche Komponente, die auch Elemente von Gemälde und Literatur in sich beinhaltet.
著者
桑原 ヒサ子
出版者
学習院大学
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
vol.8, pp.193-215, 2004

1961 machte Arno Schmidt neben Gullivers Reisen und dem Candide auf J. K. Wezels Roman Belphegor aufmerksam, als "dritte(s) dieser alten Bücher des ehrwürdigsten Gott-, Welt- und Menschenhasses". Diese sensationelle Wiederentdeckung ermöglichte eine "WezelRenaissance", die sich in den Wiederauflagen und in der Literaturforschung zeigte. Denn seit seinem Erscheinen im Jahre 1776 war der Belphegor nicht wieder gedruckt worden. Johann Karl Wezel (1747-1819) war ein vielseitiger und außerordentlich gebildeter Dichter und Verfasser von gern gelesenen Romanen, Lustspielen, satirischen Erzählungen, Abhandlungen über den philosophischen Materialismus, Übersetzungen aus dem Englischen und dem Französischen und von aufsehenerregenden Literaturkritiken und Streitschriften. Aber sein Belphegor, den der Verfasser selbst für seinen besten Roman gehalten hat, wurde als unrezipierbar beurteilt, und er wurde schon in den 90er Jahren rasch und gründlich vergessen. Neuere Forschungen bestätigen den Anteil Wielands und seines Teutsehen Merkur an diesem Prozess. Wielands Brief an Wezel am 22. 7. 1776 und anschließend Mercks Rezension des Belphegor im Teutsehen Merkur zeigen, dass sie sich vor allem an der Kritik an der "Wahrscheinlichkeit" als der wichtigsten romanästhetischen Kategorie und an dem Optimismus der Aufklärung gestoßen haben. Provokativ steht der Superlativ des Romantitels gegen den Untertitel "Eine sehr wahrscheinliche Geschichte" von Wielands Geschichte der Abderiten (1774-80). Wezel verspottete mit seinem Belphegor Wielands harmlose Satire. Der Roman behauptet sich aber auch gegen den im innersten Kern unaufgeklärten Vernunftglauben in Wielands Goldnem Spiegel mit seiner Idee eines Staatswesens für aufgeklärte, edle Menschen. Wezel interessiert sich nicht für die idealisierte Wahrscheinlichkeit, sondern wie in der Vorrede des Romans steht, will er zeigen, was der Mensch ist, nicht aber, was er wünscht oder sein sollte. Wezels realitätsentlarvender Satire zum Zweck der radikalen Aufklärung kommt nicht nur der Weimarer Kreis, sondern auch der bürgerliche Mittelstand nicht entgegen. Obwohl oder gerade weil die feudalabsolutistische Repression in Deutschland am nachhaltigsten wirkt, hält sich der Optimismus besonders hartnäckig. Dem Bürgertum, das schon ein halbes Jahrhundert ohne politisches Entscheidungsrecht gesellschaftliche Triebkraft war, war er eine Kompensation für die miserablen Verhältnisse. Damals gab es auch einige positive Stimmen, z.B. von Schubart und Musäus, jedoch setzten sich die Meinungen Wielands und Mercks durch. Von Wieland geführt entsteht in Weimar die klassische Literatur mit ihrem Glauben an die Entwicklung des Menschen zum Besseren, Höheren, Vollkommeneren, die dann in der deutschen Literaturgeschichte der höchste Kanon wird.
著者
鯨岡 さつき
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
no.21, pp.65-93, 2017-03-01

Die deutsche Sprache ist eine plurizentrische Sprache, deren hochdeutsche Variante nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen deutschsprachigen Regionen gebildet wurde, weshalb es auch in Österreich ein „österreichisches Hochdeutsch“ gibt, das e igene österreichische Ausdrücke enthält, wenn man Österreich als ein Zentrum des Hochdeutschen ansieht. Nach Wiesinger (2003) tauchte der Begriff „österreichisches Hochdeutsch“ in den 1870er Jahren auf, als es insbesondere unter dem Begriff „kleindeutsch“ einen Dualismus zwischen Preußen und Österreich gab. In der Untersuchung „Das Österreichische Hochdeutsch. Versuch einer Darstellung seiner hervorstechendsten Fehler und fehlerhaften Eigenthümlichkeit“ (1875) zeigt der Verfasser Hermann Lewi die „hervorstechendsten Fehler und fehlerhaften Eigenthümlichkeiten“ des von ihm so genannt „österreichischen Hochdeutsch“ an. Auf jedem Fall enthält das „österreichische Hochdeutsch“ österreichische Ausdrücke, sonst würde es keinen Unterschied zwischen dem österreichischen und dem preußischen Hochdeutsch geben. Nach Reiffenstein (2009b) folgte die beiden Söhne von Wolfgang Amadeus Mozart, die 1784 und 1791 im Wien geboren waren, „den jetzt allgemein gültigen hochdeutschen Normen“, wenn sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Briefe geschrieben haben. Deshalb kann man sich vorstellen, dass zwei Musiker, Johann Strauss (1825-1899) und Gustav Mahler (1860-1911), die in Österreich geboren waren, sich besonders in Wien betätigten und dort auch starben, den preußischen Regeln auch folgten. Ich untersuchte in dieser Abhandlung die Briefen dieser beiden Musiker und ziele darauf ab, die Sprachwirklichkeit der deutschen Sprache im Österreich des 19. Jahrhunderts zu erklären. Bei der Untersuchung sammelte ich verschiedene Briefe von Strauss (1983, 1986, 1990, 1992, 1996a, 1996b, 1998, 1999, 2002, 2007) und machte daraus ein Korpus, das aus ca. 150.000 Wörtern (aus 695 Briefen) besteht. Außerdem sammelte ich verschiedene Briefe von Mahler (1995, 1996) und machte daraus ein anderes Korpus, das aus ca. 170.000 Wörtern (aus 772 Briefen) besteht. Diese Briefe der zwei Korpora habe ich in drei Gruppen eingeteilt (in vertraute Briefe, förmliche Briefe und andere Briefe). Kriterien für diese Einteilung waren u.a. der Gebrauch der Du-Anrede oder von Spitznamen usw. Soweit ich diese Korpora analysierte, lässt sich ermitteln, dass sowohl Strauss als auch Mahler den Regeln des preußischen Hochdeutsch gut folgen; aber man kann einerseits feststellen, dass sowohl Strauss als auch Mahler eine gemeinsame Tendenz in ihrem Sprachgebrauch haben; andererseits haben sie je eigene Tendenzen, die in jedem der Korpora gefunden werden kann. In Briefen von Strauss kann man bestimmte österreichische Merkmale finden, die sich auf das grammatische Feld beziehen: Beispielsweise benutzt Strauss die österreichischen Formen der singularischen Imperative, u. zw. „gebe“ (statt „gieb“) usw. Außerdem kann man den Wegfall der Laute „e“ oder „en“ bei „heut“ („heute“) und „mein“ (statt „meinen“) usw. finden. Dieser Wegfall kommt nicht nur in den vertrauten Briefen, sondern auch den förmlichen vor. Diese förmlichen Briefe schrieb Strauss an Adressaten, die in Österreich wohnten, d. h. er benutzte diese österreichischen Merkmale gegenüber Menschen, die ihm sprachlich nahestanden, obwohl die Briefe selbst doch eher steif sind. Wie Strauss befolgt Mahler einerseits die Regeln des preußischen Hochdeutsch gut; es gibt bei ihm sogar keine Sätze im österreichischen Dialekt, soweit ich untersucht habe; andererseits kann man aber in den Briefen bestimmte österreichischen Merkmale finden, die sich nicht auf das grammatische Feld beziehen, sondern auf den Wortschatz: Beispielsweise benutzt Mahler den österreichischen Wortschatz häufiger als Strauss (ich habe mich dabei an den bei Ammon (1995: 157-162) als österreichisch angegebenen Wörter orientiert). Als Ergebnis dieser Untersuchung kann man feststellen, dass Strauss und Mahler beinahe in allen Fällen sowohl in vertraulichen Briefe als auch in förmlichen Briefe nichtösterreichische Ausdrücke, u.zw. Ausdrücke nach preußischer Sprachnorm schreiben, d. h. sie sind in der preußischen Sprachnorm sehr bewandert. Österreichische Merkmale haben sich dennoch in die Briefe dieser beiden Männer eingeschlichen, auch wenn sie beabsichtigen, mit preußischen Hochdeutsch korrekt zu schreiben; auf dem grammatischen Feld in den Briefen von Strauss und im Bereich des Wortschatzes bei den Briefen von Mahler werden diese Einbrüche identifiziert. Daraus lässt es sich vermuten, dass diese verschiedenen Merkmale des Sprachgebrauchs von Österreichern „österreichisches Hochdeutsch“ genannt wurden.
著者
渋谷 哲也
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
no.17, pp.23-44, 2013-03-01

Das Kino ist von Migranten geprägt. Schon im klassischen Kino gab es zahlreiche Filme,in denen Migranten,ohne dabei besonders hervorgehoben zu werden,wichtige Rollen spielten. Andererseits hat sich das "Migrantenkino" als Genre seit den 1970er Jahren in der Bundesrepublik etabliert. Der Begriff ist mit der sozialen Problematik verbunden.\Das deutschsprachige Kino hat allerdings seit langem schon ausländische Figuren als komische bzw,exotische Objektezur Schau gestellt. In den früheren 1960 Jahren wurde schon ein Heimatfilm produziert,in dem ein jüngerer italienischer "Gastarbeiter" die Hauptrolle spielte. Es handelte sich um die Liebesgeschichte zwischen ihm und einer Einheimischen. Aber diese Beziehung scheiterte am Ende und nahm ein tragisches Ende. Nachdem die Migranten in den l970er Jahren in der Gesellschaft als Bedrohung wahrgenommen wurden,hat das Kino verstärkt die Problematik der Migranten thematisiert. Nun wurden Migranten als leidende Figuren und stumme Opfer der Gesellschaft dargestellt. So festigte sich eine stereotype Migrantenfigur.\Aber bei genauerem Hinsehen findet man Filme,die auf charakteristische und vielschichtige Weise diese Thematik behandelten. Der Film "Katzelmacher" (1969) von Rainer Werner Fassbinder gilt als einer der ersten deutschen Filme,die sich mit dem Ausländerproblem in der Bundesrepublik auseinandergesetzt haben. In diesem Film gelang es,eine stereotype Darstellung zu vermeiden. Im Film wurden alle gesellschaftlichen Momente in kleine Dialogfetzen und Gestiken zerlegt. Dadurch konnte die Struktur der Xenophobie ohne Pathos beschrieben und zugleich emotional nachvollziehbar gemacht werden.\Am Film "Shirins Hochzeit" (1976) von Helma Sanders-Brahms ist bemerkenswert,dass in ihm zum ersten Mal eine türkische Frau im deutschen Kino die Hauptrolle spielte. Aber damit wurde ein typisches Attribut des "Migrantenkinos" verstärkt: Die Migrantin wurde nämlich als Opfer des Patriarchalismus' sowie der deutschen Gesellschaft gezeigt. Ihr tragisches Ende unterstreicht noch die Hilflosigkeit,mit der man diesem Problem gegenüberstand.\Tevfik Başers Film "40 ㎡ Deutschland" (1986) hat zwar eine ähnliche Herangehensweise wie "Shirins Hochzeit",insoweit wiederum eine türkische Frau zum Opfer der patriarchalen Machtverhältnisse wird,aber die Handlung gibt keinen eindeutigen sozialen Kommentar; der Film ist vielmehr als Spannungsdrama unterhaltsam konstruiert und hat auch kein eindeutig tragisches Ende. Hier wird auf eine Tatsache,die gerade beim "Migrantenkino" kaum beachtet wurde,hingewiesen,dass das soziale Drama zugleich auch ein Kino für das breite Publikum sein kann.\In den 1990er Jahren hat das "Migrantenkino" einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Äußerlich betrachtet hat dieser mit dem Heranwachsen der zweiten und dritten Generation von Migranten zu tun,also von denjenigen,die in Deutschland geboren und groß geworden sind,und unter keinen wesentlichen Konflikten mit der deutschen Gesellschaft mehr leiden mussten. Für ihr Lebensgefühl erscheint die altbekannte Tragödie der ersten Generation obsolet. Aber was dabei noch bemerkenswerter ist,ist die Tatsache,dass gerade die unbefangene Einstellung zum Kino bei der neuen Generationen so vielfältige filmische Produkte hat entstehen lassen. Man kann darin mit Recht eine neue Entwicklung des deutschen Films erkennen,aber zugleich muss man sich fragen,warum früher eine solche Entwicklung kaum möglich gewesen ist.
著者
芹澤 円
出版者
学習院大学
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
vol.19, pp.135-162, 2015-03

1786 erschien die erste Ausgabe des "Journals des Luxus und der Moden", der zweiten Modezeitschrift Deutschlands. Man schatzt, dass die Zeitschrift mindestens 25000 Leser hatte (vgl. Kuhles 2000), weshalb sie, gemessen an den Leserzahlen anderer Zeitschriften der Zeit, als Bestseller angesehen werden kann.In dieser Arbeit mochte ich drei Texte aus der fruhen Zeit des "Journals des Luxus und der Moden" (namlich von Januar, Februar und Juni 1786), die alle weibliche Kleidung, vor allem Hute oder Hauben, zum Thema haben, miteinander vergleichen und dabei untersuchen, ob es Unterschiede zwischen diesen Texten gibt. Dabei analysiere ich diese Texte in Hinblick auf ihre "Nahesprachlichkeit/Distanzsprachlichkeit" (Agel/Hennig 2006).Fur die Messung der Nahesprachlichkeit wird der Untersuchungsgegenstand in zwei Ebenen gegliedert, und zwar in eine Mikroebene und in eine Makroebene. Nach Agel/Hennig bedeutet der Durchschnitt der beiden Ebenen den Wert der Nahesprachlichkeit des Textes. Mit Hilfe dieses Modells werden in diesem Aufsatz die drei genannten Texte analysiert, wobei der erste Text vom Januar 8.66%, der zweite vom Februar 12.36% und der dritte vom Juni 14.33% Nahesprachlichkeit ergaben.Bei der Messung sties ich auf eine Reihe von Schwierigkeiten, die zu einigen Korrekturen Anlass gaben. Hinsichtlich der Durchschnittsberechnung scheint es auf den ersten Blick zwar so, dass es nur einen Wert fur den Text gibt, doch da in zwei Textebenen unterschieden wurde, sollten sich auch zwei Werte ergeben. Deshalb schlage ich zur Veranschaulichung ein Koordinatensystem mit einer prozentualen Koordinatenachse, d. h.einer Langsachse fur die Mikroebene (in die obere Richtung) und Makroebene (in die untere Richtung) und einer Abszissenachse als Nahesprachlichkeit vor. Wenn man auf dieser Koordinatenachse die drei Punkte (jeder sich ergebene Werte der Mikroebene,Makroebene und der letzten Nahesprachlichkeit) verbindet, dann erhalt man ein Dreieck.Mit der Koordinatenachse und dem Dreieck werden alle drei Werte zugleich anschaulich gemacht.Die zweite Korrektur betrifft die Lange eines Satzes. Nach Agel/Hennig gehort die Lange des Satzes zu einem derjenigen Elemente, das den Wert der Nahesprachlichkeit bestimmt, d. h. je langer ein Satz ist, desto geringer ist die Nahesprachlichkeit. Aber das ist nicht so einfach zu entscheiden. In meinen Textkorpus gibt es z. B. einen Satz, der aus 66 Wortern besteht, der aber im Nachfeld Prapositionalphrasen, Partizipial- bzw. verblose Konstruktionen aufweist. Laut Ong (1991) ist ein derart charakterisierter Satz eher im mundlichen Sprachgebrauch zu finden.Drittens ist die Rolle der Gallizismen in Betracht zu ziehen. In den untersuchten Texten gibt es viele franzosische Begriffe, aber das Modell von Agel/Hennig berucksichtigt keine Fremdworter. Bekanntlich benutzten im 18. Jahrhundert die hoheren Schichten Franzosisch (vgl. Eisenberg 2011). Deshalb sollte man auch die Verwendung von Fremdwortern bei der Untersuchung berucksichtigen.Mit der Anwendung des Modells von Agel/Hennig kann der Wert der Nahesprachlichkeit in unterschiedlichen Texten ermittelt werden. Doch fur eine genauere Analyse der Nahesprachlichkeit mussen an diesem Modell noch einige Konkretisierungen und Korrekturen vorgenommen werden.
著者
細川 裕史
出版者
学習院大学
雑誌
学習院大学ドイツ文学会研究論集 (ISSN:18817351)
巻号頁・発行日
vol.10, pp.41-62, 2006

Welcher Text wurde in Deutschland am längsten gelesen? Zur Bibel und zum "Nibelungenlied" könnte man auch mehrere Volksbücher, zum Beispiel "Eulenspiegel", hinzufügen. Dieses Volksbuch ist noch heute beliebt und davon werden noch immer neue Fassungen und Bearbeitungen geschrieben. Bei der Forschung darüber muss man aber zuerst in Betracht ziehen, dass "Eulenspiegel" eigentlich aus mündlich überlieferten Geschichten entstand und seine mündliche Geburt auf die geschriebenen Werke einen Einfluss ausübte, insbesonders auf seine Frühdrucke im 16. Jahrhundert. Unter den sogenannten Volksbüchern finden sich solche, aus mündlich überlieferten Geschichten stammende Werke, aber nur selten. Damals veröffentlichte man meistens auf Lateinisch geschriebene Sachliteratur oder klassische Romane. Zum größten Teil sind die in der Frühneuzeit in der Volkssprache gedruckten Bücher, die heute oft "Volksbücher" genannt werden, tatsächlich die Übersetzungen davon, und solche angeblichen "Volksbücher" werden heute schon nicht mehr beachtet, im Gegensatz zu "Eulenspiegel". Angenommen wird also, dass der Text "Eulenspiegel" der Nachwelt überliefert werden wird, weil er die Eigenschaft der "Mündlichkeit" besitzt und folglich nicht nur alleine gelesen, sondern auch anderen oder mit anderen erzählt wird. Folgende 5 Aspekte zeigen uns die "Mündlichkeiten" im Text von "Eulenspiegel"; - Die Vorrede, die die Leser I Zuhörer darum bittet, den Text neu I weiter zu erzählen. - Der Stil des "Erzählens". - Die Darstellungen der Geschichten, die sich auf die Leser I Zuhörer im 16. Jahrhundert beziehen. - Der Vorrang der Illustrationen. - Die fahrlässige Redigierung der Überschriften. Zwar ist "Eulenspiegel" ein geschriebener Text, aber er enthält noch die Eigenschaft der "Mündlichkeit" und folglich bleibt er, meiner Meinung nach, immer noch lebendig und übt auf die heutigen Menschen Einflüsse aus.